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Über den Fotografen Günter Valda zu den Kontaktdaten
 
Lukas, 2016, Ilford HP5, aus: Inner Circle

Kinder sind Superhelden

 
Kinder zeigen kleine Verletzungen mit Inbrunst.
Geister, die Kinder rufen, sind nicht so stark, wie sie selbst erstarken.
Kinder sind Superhelden.
 
 
Den neunjährigen Günter überrollt ein Traktor.
Er ist gerade Beifahrer gewesen; sein Kinderfreund lenkt.
Dann hat ihn eine Tonne Gewicht überrollt.
 
 
Günter Valda ist ein Umkehrer. Schaut genauer, dreht früher um.
Extremsituationen führen zu Türen, an die man sonst nicht kommt, und machen sie auf.
Dem Tod nahe ist: voll im Leben.
 
 
Rausgerissen, entwurzelt.
Komplett neben der Bahn, so findet er die, die Gleiches erlebt haben:
sie sind Suchende geworden.
 
 
Manchmal kommt der Schmerz später. Daraus entsteht Günter Valdas erfolgreiches »Wiederbelebt« Projekt, das ab 2013 in Deutschland, in der Schweiz, an mehreren Orten in Österreich und schließlich im Wiener Rathaus gezeigt wird.
 
Den Abschluss bildet die bibliophile Buchproduktion (2020) zusammen mit dem Notfallmediziner und Internisten DDr. Alexander Hermann.
 
 
 
 
Greenland Dog, Tasiilaq 2018, aus: Das Tal der Hunde
 
 

Tasiilaq

 
In den nächsten Jahren ist Günter Valda für Bergans, NORR, Steppenwolf, Bergwelten und die »Wiener Alpen« unterwegs. Ein immer geschliffeneres Narrativ entsteht.
 
Mit einem Tierschutzprojekt besucht er die grönländische Stadt Tasiilaq. Sein dänischer Guide und Übersetzer ist Lars Anker-Moller.
 
Wilde Landschaft; Menschen, die diese Wildheit spiegeln. Als WWF und später Greenpeace erkennen, dass Zusammenarbeit mit indigenen Völkern bedeutet, von jenen zu lernen, die selbst niemals ihr Gleichgewicht verloren haben und wissen, wie man Natur in der Natur ist, scheint es fast zu spät.
 
Tasiilaq bleibt ein Stachel im Fleisch.
 
Wer hier ausgesetzt ist, webt ein Sicherheitsnetz. Er webt es über westliche Abgründe.
Die Inuit kennen sie nicht.
 
 
 
 
Operation Theater/Notaufnahme, ECMO, aus: House of Fate
 
 
Operation Theater/Notaufnahme, ECMO Detail, aus: House of Fate
 
 

House of Fate

 
Für die Mitarbeiter ist die Notaufnahme im Wiener AKH schlicht »der Bunker«. Es geht um Leben. Tod.
 
Aus Fotos der Medizinfotografie fließt das Leben: Das Zarte, Wertvolle wird Fleisch. Die Verletzung ist Verletzung. Die Wunde ist Wunde. Die Krankheit ist Objekt.
 
Sucht Inszenierung Gestank, Blut, Stress und Angst in eine kühle und sphärische Welt zu abstrahieren, so lässt der »Bunker« mit seiner 70er Ausstattung und Ästhetik den Versuch ins Absurde misslingen. Adrenalin, Lärm und Hektik in der Notaufnahme in einem der größten Spitäler Europas tun ihr Übriges dazu.
 
Günter Valda ist nah dran.
 
Der bewusstlose oder sterbende oder schon weggleitende Patient webt sich in alles ein. Der Mensch ist die Mitte der Wirksamkeit: die Stille, über die der Wirbel wie ein Sog nach außen wirft. Aus dem Bunker zurück ins Leben.
 
»House of Fate« ist eine dramatische und wuchtige Erzählung, die laissez faire Momente im Beruf der Health Professionals aufgreift, eine ernüchternde Beliebigkeit, das Maschinenhafte, das Industrielle, um sie Bild für Bild zu übersteigern und an Kraft gewinnen zu lassen.
 
Diesmal geht der Vorhang auf, als die Ärzte längst gegangen sind.
Statt der sauberen, desinfizierten Narbe sehen wir direkt in die offene Wunde.
 
Die Kamera ist eine Lupe. Mit ihr sieht Günter Valda näher und unter die Haut.
Der leere Raum ist noch von Menschen erfüllt.
Text: D. Steiner (2020)